Der Anstieg begann im Kopf.
Vor der Bastei hatte ich großen Respekt. Der Gedanke, dort mit dem Gravelbike hochzufahren, fühlte sich lange größer an als die Strecke selbst. Dann war dieser Tag da: Burg Stolpen, Bastei, weiter durch unsere Region und schließlich zurück nach Hause.
Dieser Respekt war schon da, bevor ich überhaupt am Berg stand. Genau das kenne ich auch von anderen Vorhaben: Man beschäftigt sich mit dem schwierigen Teil so lange, bis er den ganzen Blick einnimmt. Für mich war diese Tour die Gelegenheit, die Vorstellung im Kopf mit einer echten Erfahrung zu ersetzen. Nicht indem ich den Anstieg kleinredete, sondern indem ich losfuhr.
Die Bastei ist am Ende auch nur ein Berg.
Rainer Schamberger
104,7 Kilometer. Allein unterwegs.
Am Ende standen in meinem Beitrag 104,7 Kilometer, 1.084 Höhenmeter und 24 Grad. Kein Windschatten, keine Gruppe, die einen mitzieht. Nur ich, das Rad und der nächste Anstieg. Meine wichtigste Erkenntnis war erstaunlich einfach: Die Bastei ist am Ende auch nur ein Berg.
Die Strecke führte über Burg Stolpen hinauf zur Bastei, wieder hinunter, nach Pirna und weiter zur Burg Weesenstein. Am Schloss Pillnitz vorbei ging es nach Hause. Wenn ich diese Orte aufzähle, steckt darin mehr als eine Route. Es ist ein Stück Heimat, das ich mir aus eigener Kraft erschlossen habe. In meinem Beitrag habe ich die Fahrt als Grenzerfahrung beschrieben. Die Zahlen zeigen einen Teil davon. Was sie nicht abbilden, ist das gewachsene Vertrauen in mich selbst.
Nicht alles auf einmal.
Der passende Gang, ein Tempo, das ich halten kann, und ein Blick auf den Puls. Aus dem großen Vorhaben werden einzelne Abschnitte. Die ganze Strecke muss nicht in einem Gedanken gelöst werden. Aber der nächste Abschnitt lässt sich angehen.
Den Berg konnte ich nicht verändern. Meinen Umgang mit ihm schon. Ich musste nicht schneller sein als irgendjemand anders. Ich brauchte einen Gang und ein Tempo, die zu mir passten. Dieser Gedanke macht für mich einen Unterschied: Ein großes Ziel bleibt groß, aber ich muss nicht seine ganze Größe auf einmal tragen. Ich darf mich auf das konzentrieren, was gerade vor mir liegt.
Den Gedanken nehme ich mit.
Auch aufgeschobene Vorhaben wirken manchmal größer, solange sie nur im Kopf herumliegen. Auf der Website geht es deshalb oft um einen ersten verständlichen Schritt: ein Kennenlernen, einen Überblick, eine offene Frage. Das ist keine Finanzformel aus dem Radsport. Es ist eine Haltung: anfangen dürfen, ohne schon alles zu wissen.
In meinem damaligen Beitrag habe ich geschrieben: „Heute habe ich nicht nur Kilometer gesammelt, sondern auch wieder ein Stück Selbstvertrauen.“ Genau dieses Gefühl möchte ich festhalten. Nicht jede Herausforderung lässt sich mit einer Radtour vergleichen. Aber die Erfahrung, etwas tatsächlich angegangen zu sein, bleibt. Mein Weg zum Radfahren gehört zu meiner Abnehmreise. Diese Tour zeigt mir, wie viel aus einer Veränderung im Alltag entstehen kann: Bewegung, Freude an unserer Region und der Mut, mir wieder mehr zuzutrauen.
Für die Website redaktionell aus meinem veröffentlichten Beitrag entwickelt. Zum Originalbeitrag


